Ausgabe 2 >2023

2 | 2023 Esslinger Gesundheitsmagazin 29 schlimmsten Fall schließen. Die Lage spitzt sich dramatisch zu. Wir benötigen dringend finanzielle Unterstützung und Antworten des Gesundheitsministers darauf, wie wir bis zur Umsetzung der Reform all die genannten Themen bewältigen sollen. Matthias Klopfer: Daher haben wir uns mit dem Klinikum Esslingen auch an der groß angelegten bundesweiten Aktion der Deutschen Krankenhausgesellschaft im September beteiligt. Dieser bundesweite Protesttag hat auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Kliniken aufmerksam gemacht. Mit Demonstrationen in mehreren Bundesländern unter anderem auch in Stuttgart und einer Kundgebung in Berlin forderten tausende Akteure des Gesundheitswesens die Bundesregierung zu einem Ausgleich der extrem gestiegenen Kosten auf. Viele Mitarbeitende und Unterstützende des Klinikums Esslingen haben ihrem Unmut Luft gemacht und ihre Stimme erhoben. Den Kliniken fehlt die Planungssicherheit. Gibt es dennoch Maßnahmen, die Sie schon jetzt ergreifen können? Matthias Klopfer: Ja natürlich. Wir müssen nach vorne schauen und vorangehen. Da wir keine Planungssicherheit seitens des Bundesministeriums bekommen, müssen wir uns selbst eine schaffen. Die Krankenhausplanung ist Ländersache. Nur sie können gemeinsam mit den Kommunen die Zuordnung der Leistungsgruppen und Versorgungsstufen den regionalen Besonderheiten anpassen und den Krankenhäusern zuweisen. Diese Planung muss auf Augenhöhe und gemeinschaftlich stattfinden. Und genau diesen Prozess haben wir bereits jetzt angepackt und gemeinsam mit anderen Klinken durchlaufen. Die Alb Fils Kliniken, die medius Kliniken und das Klinikum Esslingen arbeiten bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Lungenerkrankungen ab sofort im neu gegründeten Thoraxzentrum Südwest landkreisübergreifend zusammen. Mit der Gründung dieses Versorgungsnetzwerks schaffen wir tragfähige Zukunftsstrukturen in der Patientenversorgung für unsere Region. Wie macht sich das für die Patienten bemerkbar? Matthias Ziegler: Wir setzen auf Kooperation statt Wettbewerb: Unabhängig davon, in welchem Krankenhaus im Landkreis Esslingen oder Göppingen Lungenpatienten behandelt werden, können sie sich sicher sein, dass sie die bestmögliche Behandlung erhalten werden. Wir bündeln unsere Kompetenzen statt Doppelstrukturen zu schaffen. Der Spezialisierungsgrad erhöht sich, die Kompetenzen ergänzen sich. Eine onkologische Thoraxchirurgie reicht dabei für die Versorgungsregion Esslingen- Göppingen aus. Die Thoraxchirurgie in Esslingen erfüllt dafür bereits heute problemlos alle Qualitätsanforderungen. Solche Zusammenschlüsse sind genau das, was die Krankenhausreform will und was sie in der Umsetzung der Krankenhausreform vorschreiben wird. Wir haben sozusagen die Blaupause für die geplante Reform erarbeitet. Warten bringt uns nicht weiter. Wir müssen handeln und in die Umsetzung gehen, um zukunftssicher zu bleiben. Das Klinikum Esslingen hat sich längst auf den Weg gemacht. All unsere Maßnahmen sind auf die Zukunft ausgerichtet: modular, anpassungsfähig und immer mit der Möglichkeit auf Fortschritt zu reagieren. So handhaben wir es mit dem medizinischen Leistungs- spektrum als auch mit unserer Infrastruktur, den modularen Neubauten. Das Klinikum Esslingen wird eine feste Instanz für die Patientenversorgung in der Region bleiben. Vielen Dank! Das Gespräch führte Ursula Kächele Matthias Ziegler, Geschäftsführer des Klinikum Esslingen (links) und Matthias Klopfer, Oberbürgermeister der Stadt Esslingen a. N. „ All unsere Maßnahmen sind auf die Zukunft ausgerichtet: modular, anpassungsfähig und immer mit der Möglichkeit auf Fortschritt zu reagieren.”

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