2 2015
Esslinger Gesundheitsmagazin 31
„Krampfanfälle äußern sich auf sehr
vielfältige Weise, je nachdem wel-
cher Teil des Gehirns betroffen ist.“
im Gehirn. Je nachdem welche Nerven-
zellen betroffen sind, kommt es zu unter-
schiedlichen Reaktionen. So kann die Stö-
rung auf einen ganz kleinen Teil des
Gehirns beschränkt sein (= fokale Form)
oder das gesamte Gehirn betreffen (=
generalisierte Form).
Einer Epilepsie, die bei Kindern jeden
Alters auftreten kann, liegen eine Vielzahl
von Krankheiten zugrunde. Neben Hirn-
schäden oder -fehlbildungen, Tumoren
und Gehirnentzündungen können auch
Stoffwechselstörungen zu einer Epilepsie
führen. Bis vor wenigen Jahren hatte man
für viele der Epilepsien keine Erklärung.
Nun werden immer häufiger genetische
oder strukturelle Ursachen entschlüsselt.
Ein Krampfanfall bedeutet noch lange
keine Epilepsie. „Fünf Prozent der Bevöl-
kerung erleiden einmal im Leben einen
Anfall – ohne weitere Folgen“, so Dr. Eitel.
Bekanntes Beispiel ist der Fieberkrampf
im Kleinkindalter, der durch einen Fieber-
anstieg bei einem Infekt oder z.B. nach
einer Impfung ausgelöst werden kann
(siehe Info-Kasten „Fieberkrampf“ auf
Seite 33).
Kinderneurologin. „Ideal ist es dann, wenn
sie uns auch ein Handyvideo von den
Zuckungen zeigen können.“ Häufig han-
delt es sich dabei nämlich um sogenannte
Schlafmyoklonien. „Viele kennen das von
sich selbst, ein plötzliches Zucken wäh-
rend der Einschlafphase, mit Epilepsie hat
das nichts zu tun, aber bei manchen
Säuglingen ist das Zucken sehr ausge-
prägt.“ Ob es sich um Schlafmyoklonien
handelt, kann man übrigens ganz leicht
selbst überprüfen: „Die Eltern sollten das
Kind wecken während es zuckt, hören die
Zuckungen sofort auf, dann ist es sicher
keine Epilepsie.“
Hat das Gespräch jedoch den Verdacht
einer Epilepsie nicht ausgeschlossen, wird
eine Elektroenzephalografie (EEG) durch-
geführt. Das Kind bekommt Messfühler
(Elektroden) auf den Kopf, die die elekt-
rische Aktivität des Gehirns aufzeichnen.
Die Messergebnisse werden in Form cha-
rakteristischer Linien dargestellt. „Meis-
tens können wir an diesen Linienmustern
erkennen, ob und zum Teil sogar um wel-
che Epilepsie es sich handelt“, sagt Dr. Dr.
Schmiedel. Manchmal kann allerdings nur
ein Langzeit-EEG Aufschlüsse bringen.
Das Kind muss dafür stationär aufgenom-
men werden und wird auch
Die Diagnose
Wenn das Kind krampft oder eines der
anderen genannten Symptome zeigt,
sollte eine kinderneurologische Abklä-
rung erfolgen. Die Neuropädiatrie des
Esslinger Klinikums ist auf die Diagnostik
und Behandlung von epileptischen Anfäl-
len im Kindesalter spezialisiert. Jährlich
werden hier ambulant und stationär rund
1.200 Kinder und Jugendliche behandelt,
davon etwa die Hälfte zur Abklärung
epileptischer Anfälle, für deren Untersu-
chung eine Spezialambulanz zur Verfü-
gung steht. Zunächst erkundigt sich der
Arzt nach der Krankengeschichte des
Patienten und nach den genauen Symp-
tomen, die aufgetreten sind: Zu welcher
Tageszeit ereignete sich der Anfall? Gab
es Auslöser, wie lief er ab, wie lange dau-
erte er? Welche Symptome haben Anwe-
sende beobachtet? Diese Informationen
sind oft entscheidend für die Zuordnung
der Epilepsieform.
„Außerdem können wir aus den Beschrei-
bungen herauslesen, ob vielleicht etwas
ganz Harmloses dahintersteckt“, sagt Dr.
Dr. Schmiedel. Ein typisches Beispiel sind
Zuckungen bei Säuglingen im Schlaf.
„Viele Eltern sind deswegen beunruhigt
und kommen in die Ambulanz“, erzählt die
>>>
Mit dem EEG werden die
Gehirnströme gemessen.
Heftiges Atmen macht oft
EEG-Veränderungen deutlicher




