Ausgabe 2 >2018
2 2018 Esslinger Gesundheitsmagazin 33 Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Onkologie/Hämatologie, Gastroenterologie und Infektiologie Telefon 0711 3103-2451 m.geißler@klinikum- esslingen.de Praxis Bosch Hauser Kronenstraße 30 73760 Ostfildern Telefon 0711 4411828 bosch@praxis-bosch-hauser.de stich entdeckt wird, genau beobachtet werden, ob sich Symptome zeigen. Bis zu sechs Wochen nach einer Infektion mit den Bakterien kann effektiv mit Antibio- tika behandelt werden. Doch Vorsicht – in manchen Fällen kann es sein, dass die Erkrankung erst nach Jahren ausbricht. Dann sind die Symptome besonders schwerwiegend. Gelenkschwellungen, Herzstörungen oder Augenlähmungen können die Folge einer lange zurücklie- genden Infektion sein. Die Diagnose ist daher schwierig, selbst für erfahrene Ärzte wie Professor Geißler und Dr. Bosch. Und selten ist die Erkrankung nicht – allein in Baden-Württemberg sind im vergangenen Jahr 500 Fälle der Zeckenkrankheit bekannt geworden. Was wirklich hilft Besonders häufig sitzen die Tiere auf Grashalmen und Hecken in Waldesnähe. Der beste Schutz vor Borrelien und FSME ist daher, sich so zu kleiden, dass Zecken keine Chance haben. Das heißt, beim Spaziergang im Wald und auf der Wiese lange Hosen, Socken, bedeckte Schultern und geschlossenes Schuhwerk tragen. „Zeckenschutzsprays helfen nicht, denn die Zecke riecht den Menschen nicht und auch nicht das Spray“, erklärt Professor Geißler. Im Anschluss an den Aufenthalt im Freien gilt dann: Den Körper gründlich absuchen. fw tet geduldig auf ein neues Opfer“, erläu- tert Professor Geißler. So kann das Virus weiter übertragen werden. Erkrankung mit Tücken Doch noch lange nicht jeder, der von einem infizierten Tier gebissen wurde und nicht geimpft ist, entwickelt die Krank- heit. Häufig sorgt das Immunsystem von selbst dafür, dass die Viren keine Chance haben. Erkrankt man dennoch, wird es auch für die Ärzte tückisch. Denn in vielen Fällen entwickeln sich keine Symptome. Nur etwa 15 Prozent der Erkrankten haben überhaupt welche. Treten diese dann auf, verlaufen sie meist biphasisch. „Das sind dann häufig grippeähnliche Zustände, die nach wenigen Tagen verschwinden, dann aber mit umso größerer Wucht zurück- kommen“, so Dr. Bosch. Die Folge können Lähmungen oder eine Hirnhautentzün- dung sein. Hegt er den Verdacht, ein Patient könnte den FSME-Virus in sich tragen, überweist er ihn umgehend an Professor Geißler ans Klinikum Esslingen. Der sagt: „FSME ist eine meldepflichtige Erkrankung, nach deren Diagnose der Patient stationär aufgenommen werden muss. Leider haben wir aber keinerlei Möglichkeit, den Patienten medikamentös zu behandeln. Der Körper muss mit dem Virus selbst fertig werden.“ Daher raten beide Experten: „Bei FSME handelt es sich um eine schwere Erkrankung. Gehört man einer Risikogruppe für einen Zeckenbiss an, ist es wichtig nachzusehen, wie lange die letzte Impfung zurückliegt.“ Keine Immunisierung gegen Borrelien Nicht geimpft werden kann gegen die wesentlich häufiger auftretenden Borre- lien. Die Bakterien kommen, anders als FSME-Viren, im gesamten Bundesgebiet vor. Eine Borreliose kann allerdings, wird sie rechtzeitig erkannt, medikamentös behandelt werden. „Charakteristisch für eine Infektion mit Borrelien ist die sogenannte Wanderröte um den Zeckenbiss herum“, erklärt Dr. Bosch. Die Inkubationszeit beträgt zwi- schen wenigen Tagen und mehreren Wochen. Daher muss, wenn ein Zecken- Dr. Wolfgang Bosch Professor Dr. Michael Geißler Gewusst? > Zecken müssen ohne Drehbewegung mit einer Zeckenzange am Kopf herausgezogen werden. > Borrelien sind so alt wie die Mensch- heitsgeschichte. Schon Ötzi war mit den Erregern infiziert. Das fanden Forscher heraus, als sie die Mumie des Eismenschen untersuchten.
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