Ausgabe 2 >2018

2 2018 Esslinger Gesundheitsmagazin 23 Gemeinsam mit seinem Team nimmt Professor Kühn jährlich 400 Brustkrebs­ operationen vor. „Neben der sicheren Entfernung des Tumors legen wir besonderen Wert auf die Ästhetik“, sagt Professor Kühn. Dazu wenden die Experten des interdisziplinären Brust- zentrums die besonderen Operations- techniken der onkoplastischen Chirur- gie an. Die chirurgische Rekonstruktion der gesamten Brust ist sehr komplex und anspruchsvoll. „Bereits bei der Planung der Therapie gegen den Krebs, denken wir die Rekonstruktion der Brust mit, falls die Entfernung der Brust erforder- lich scheint. Eine ästhetische Brust ist für die Frauen wichtig, um zu genesen und eine hohe Lebensqualität zu erhal- ten“, sagt er. Für die Wiederherstellung der gesamten Brust stehen den Opera- teuren zwei Möglichkeiten offen: der Einsatz von Silikonimplantaten und die Rekonstruktion mit Eigengewebe. Mit beiden Verfahren können gute ästhe­ tische Ergebnisse erzielt werden. Welches Verfahren bei der einzelnen Patientin das beste Ergebnis ermög- licht, hängt von der Patientin, den Gewebeverhältnissen und auch der begleitenden Therapie ab. Kriterien sind unter anderem Alter, Zustand des Gewebes, Nikotinkonsum, Ausdehnung des Tumors, Körperbau und Form sowie die Größe der Brust. Häufig muss auch die Angleichung der Gegenseite vorge- nommen werden, um ein symmetri- sches Körperbild zu erzielen. Die Rekonstruktion mit Implantaten aus Silikon ist weniger aufwendig und der Eingrif f insgesamt kürzer. Einige Frauen empfinden es aber als Nachteil, dass sich das Implantat nicht ganz so natürlich weich anfühlt. Rekonstruktion mit Eigengewebe Der Aufbau der Brust mit Eigengewebe dagegen kann sechs bis acht Stunden dauern. Umfangreiche Erfahrungen besitzt Professor Kühn bei der soge- nannten gestieleten Lappenplastik. Dabei wird ein Gewebeblock vom Rücken oder von der Bauchdecke entnommen. „Dieser Gewebeblock besteht aus Haut, Fettge- webe und Muskeln“, erläutert er. Unter der Haut hindurch rotiert Professor Kühn diesen Gewebeblock in den zu rekon­ struierenden Bereich, ohne die Gefäße zu durchtrennen. So bleibt die Blutversor- gung bestehen. „Ein großer Vorteil der Eigengewebstransplantation ist, dass sich das Gewebe sehr natürlich und weich anfühlt.“ Die Entnahme des Gewe- bes birgt aber auch Nachteile. Sie kann zu Bewegungseinschränkungen, Schmer- zen und ausgedehnteren Narben führen. Kooperation mit dem Marienhospital Eine neue Technik ist die sogenannte freie Lappenplastik. Dabei können aus- gedehnte Gewebeanteile ohne Entnahme des Muskels verpflanzt werden. Nur die Haut- und das Fettgewebe werden unter Erhalt kleinster Arterien und Venen ent- nommen, die dann unter einem Opera­ tionsmikroskop neu an das Gefäßsystem im Brustbereich angeschlossen werden. So kann der Muskel vollständig geschont werden. „Um diese spezielle Operations- technik anbieten zu können, haben wir eine Kooperation mit dem Marienhospi- tal geschlossen“, sagt Professor Kühn. Am Marienhospital verfügt Professor Thomas Schoeller, Ärztlicher Direktor des Zentrums für ästhetische Chirurgie, über große Erfahrung mit diesen freien Lap- penplastiken. Er und sein Team kommen ans Klinikum Esslingen und operieren gemeinsam mit den Ärzten der Frauen- klinik um Professor Kühn die Patientin- nen. „Dank der Kooperation können wir die einzige noch fehlende Technik der Brustrekonstruktion in Esslingen anbie- ten und damit jeder einzelnen Frau die beste Behandlung ermöglichen. Zusätz- lich lernen wir viel voneinander und ergänzen unsere Fertigkeiten.“ Auch Bernd Sieber, Geschäftsführer am Klinikum Esslingen freut sich über die Kooperation: „Da sowohl Professor Kühn als auch Professor Schöller weit überregional für ihre fachliche Exper- tise auf dem Gebiet der Brustchirurgie bekannt sind, konnten wir das ausge- zeichnete Angebot unseres Brustzent- rums nochmal ausbauen.“ aw Klinikum Esslingen Interdisziplinäres Brustzentrum Telefon 0711 31033051 t.kuehn@klinikum-esslingen.de brustkrebs@klinikum-esslingen.de Professor Dr. Thorsten Kühn „Ein großer Vorteil der Eigengewebs­ transplantation ist, dass sich das Gewebe sehr natürlich und weich anfühlt.“

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