Ausgabe 2 >2018

20 Esslinger Gesundheitsmagazin 2 2018 >>> raum, komplexen Mehrbereichserkrankungen und bei Schwangerschaft im letzten Drittel. „Vor allem eine sogenannte Konversion, also den Wechsel wäh- rend der Operation von minimalinvasiv auf offen chirurgisch, versuchen wir durch genaue präoperative Abklärung bei jedem Patienten möglichst zu vermeiden.“ Die Konversionsrate liegt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie unter fünf Prozent, was zeigt, dass die Ärzte mit ihrer Einschätzung vor dem Eingriff in aller Regel richtig liegen. Dass ein ungeplanter Umstieg der Operationstechnik eventuell nötig sein könnte, darüber werden die Patienten im Vorgespräch aufgeklärt. Ob sich die minimalinvasive Technik auch bei komplizierteren Eingriffen, wie am Dickdarm oder für Tumorentfernungen, eignet, wird individuell entschieden. Handelt es sich um einen eher kleineren Befund mit einem übersichtlichen Operations- umfeld, ist der Eingriff insgesamt gut kalkulierbar und der höhere Zeitaufwand vertretbar, dann kann auch hier mini- malinvasiv operiert werden. Bei einem Notfall, wie einem Darmriss oder einem Darmverschluss, bei einer komplexen Anatomie und wenn es weitere Befunde gibt, die abgeklärt werden müssen, entscheiden sich die Ärzte in Esslingen eher für die offen chirurgische Technik. In manchen Fällen ist das Gewebe im Bauchraum auch stark verklebt, hängt unter Umständen auch eine Darmschlinge an der Bauchwand, dann fehlt der Überblick für das minimal­ invasive Vorgehen, und es besteht gar die Gefahr, dass schon die eingeführte Kamera eine Darmschlinge trifft und den Darm verletzt. „Problematisch kann das minimalinvasive Verfahren auch bei Tumoroperationen sein, wenn es nicht gelingt, den Tumor als Ganzes herauszuschneiden und zu bergen“, erläutert Professor Staib. Denn das eingesetzte Kohlendioxid-Gas könne freie Tumorzellen verwirbeln und im Bauchraum verteilen – mit der Gefahr, dass sich neue Tumore oder Metastasen bilden. Professor Staib plädiert deshalb für einen verantwortungs- vollen Umgang mit der minimalinvasiven Technik. In vielen Fällen ist sie für die Patienten in jeder Hinsicht von Vorteil. Häufig jedoch ist es sinnvoller, auf die bewährten offen chirurgischen Operationsverfahren zu setzen, um Komplika- tionen zu vermeiden und für ein sicheres Operationsergebnis zu sorgen. so Klinikum Esslingen Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie Chefarzt Professor Dr. Ludger Staib Telefon 0711 3103-2601 viszeralchirurgie@klinikum-esslingen.de Schlüsselloch­ chirurgie im Detail Über einen kleinen Schnitt in der Bauch- decke wird im Operationssaal die Bauch- höhle des Patienten in Vollnarkose zunächst kuppelförmig wie ein Zelt mit sterilem Koh- lendioxid aufgefüllt. Durch einen weiteren kleinen Schnitt im Nabelbereich wird sodann eine hochauflösende Videokamera eingeführt. Der Operateur und sein Team können nun den Verlauf der Operation auf einem Bildschirm verfolgen. Unter Video- sicht werden über kleine Arbeitskanäle die Instrumente in die Bauchhöhle eingebracht, mit denen das entsprechende Organ ope- riert wird. Als Skalpell werden heute meist Ultraschallmesser eingesetzt, mit denen kleinere Blutgefäße beim Schnitt gleich versiegelt werden. Um das operier te Gewebe aus dem Körper zu entfernen, wer- den oft Bergebeutel eingesetzt, in denen das abgetrennte Gewebe gesammelt und dann durch die kleinen Operationsöffnun- gen herausgezogen wird. Laparoskopische Cholezystektomie: Die Leber wird mit einer Fasszange (links) samt Gallenblase hochgehalten, damit die Gallenblase freipräpariert und entfernt werden kann.

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