Ausgabe 1 >2025

8 Esslinger Gesundheitsmagazin 1 | 2025 In den vergangenen 15 Jahren habe sich in den OP-Sälen sehr viel verändert, betont der Chirurg. „Wir machen heute nur noch selten große Schnitte, sondern operieren bevorzugt minimal-invasiv und arbeiten viel mit Mikroskop oder Endoskop sowie Navigationsgerät.“ Dank der Unterstützung des Fördervereins proklinikum konnte kürzlich ein neues Gerät zur Durchführung dieser minimal-invasiven OPs angeschafft werden. Dabei mache man mehrere kleine Schnitte, über die dann die Instrumente, zum Beispiel eine Fräse eingeführt werden. Navigiert wird über den Monitor. „Anders als noch vor einigen Jahren werden die Patientinnen und Patienten dabei weniger den Röntgenstrahlen ausgesetzt“, betont der Experte einen Vorteil. >>> Kontakt Klinikum Esslingen Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie Dr. Gergely Bodon Leitender Arzt Wirbelsäulenchirurgie Telefon 0711 3103-2651 unfallchir@klinikum-esslingen.de Sportpraxis Esslingen Dr. Michael Ulmer Berliner Straße 4 Esslingen Telefon 0711 353300 mail@sortpraxis-esslingen.de OP als letzte Möglichkeit Doch ist eine OP immer notwendig? „Nein“, betont der Experte. „Von zehn Erkrankten, die zu uns zur Untersuchung kommen, wird einer operiert“. Allen anderen empfehle man zunächst eine konservative Behandlung mit Schmerzmitteln und Physiotherapie. „Eine Operation ist das letzte Mittel“, sagt Dr. Bodon. Drei Indikationen sprechen laut dem Arzt unbedingt für eine OP: „Unerträgliche Schmerzen, wenn die Blase beeinträchtigt ist und wenn eine Querschnittslähmung vorliegt oder droht.“ Innovative Methoden Relativ neu sind auch OPs, die nicht durch den Rücken, sondern in Seitenlage oder von vorne durch den Bauch durchgeführt werden. „XALif“ und „Single position lateral“ heißen diese OP-Methoden im Fachjargon, bei denen Dr. Bodon zu den Pionieren in Deutschland gehört. „Dabei hat man als Operateur einen besseren Blick auf die komplette Wirbelsäule und braucht keinen großen Schnitt“, sagt der Chirurg. Diese Methoden verkürzten auch die OP-Zeit, weil das Umlagern der Patienten aus der Bauchlage in die Seitenlage entfalle. Besonders hilfreich seien diese Methoden zum Beispiel bei übergewichtigen Menschen. Natürlich gibt es auch andere Erkrankungen der Wirbelsäule, die die Esslinger Spezialisten behandeln. Zum Beispiel Osteoporose, die vor allem ältere Frauen betrifft. Dabei nimmt die Knochendichte ab und es kommt häufig schon bei kleinen Bewegungen zu Brüchen in der Wirbelsäule, der Hüfte oder dem Handgelenk. Dr. Bodon verordnet seinen Patientinnen die Einnahme von Vitamin D – wichtig für den Knochenaufbau – sowie moderate Bewegung. Sowieso: Bewegung hält der Orthopäde für absolut wichtig – egal welches Krankheitsbild jemand aufweist. Vor allem Spaziergänge und Schwimmen seien gut für den Erhalt von Knochen und Muskeln, mit zunehmendem Alter aber auch Krafttraining. Auf Bewegung freut sich auch Ferdinando Biscotti. Zwar kann er im Moment noch nicht auf den Fußballplatz. „Ich muss erst noch meine Muskeln aufbauen.“ Dafür geht er demnächst in eine vierwöchige Reha. Danach, so seine Hoffnung, „kann ich wieder arbeiten und mit dem Kicken beginnen.“ gwn Herr Dr. Ulmer, was sind die häufigsten Probleme an der Wirbelsäule, die Sie sehen? Wir haben viele Patienten mit Überlastungsschäden an der Wirbelsäule. Diese äußern sich in der akuten Phase durch Schmerzen, zum Beispiel einem Hexenschuss, bei dem die Schmerzen bis in das Bein ausstrahlen. Wie definieren Sie Überlastungsschäden? Das sind zum einen häufig Überlastungen durch bestimmte Sportarten wie Geräteturnen. Das kann schon im Kindes- und Jugendalter zu Schäden an der Wirbelsäule führen. Dann gibt es aber auch Beschwerden durch Fehlhaltungen. Können Sie ein Beispiel nennen? Wenn zum Beispiel jemand immer gebückt am Schreibtisch sitzt, kann das mit der Zeit zu Bandscheibenschäden führen. Es gibt aber auch angeborene Fehlhaltungen, zum Beispiel die Skoliose, eine Krümmung der Wirbelsäule. Was empfehlen Sie da? Früher hat man Skoliose mit dem Tragen eines Korsetts behandelt. Das ist heute schwieriger geworden. Die Bereitschaft, ein solches Korsett zu tragen, ist gesunken. Wir behandeln das überwiegend mit Physiotherapie. Wichtig ist in jedem Fall, dass Haltungsschäden so früh wie möglich angegangen werden, sonst kommt es im Erwachsenenalter zu größeren Problemen und Schmerzen. Das beste Beispiel ist die Hüftgelenksdysplasie bei Babys, die man ja sofort mit einer Spreizhose behandelt. So kann in vielen Fällen eine frühzeitige Arthroseentwicklung des Hüftgelenks im Erwachsenenalter vermieden werden. Geräteturnen empfehlen Sie nicht für die Wirbelsäule. Welcher Sport aber ist gut? Schwimmen und Walken sind sehr gut für die Wirbelsäule. Das Gespräch führte Gerlinde Wicke-Naber Arzt-Interview: Schwimmen und Walken gut für die Wirbelsäule Dr. Michael Ulmer betreibt zusammen mit seiner Kollegin Ulrike Bartsch-Schmid die Sportpraxis Esslingen. Spezialisiert ist das Team auf die Behandlung und Operation von Schulter- und Knieverletzungen. Doch täglich kommen auch viele Patientinnen und Patienten mit Wirbelsäulenproblemen zur Behandlung.

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