1 | 2025 Esslinger Gesundheitsmagazin 33 medikamentöse Therapie kann die Entzündung jedoch nur unterdrücken und ohne Therapie flackert die Entzündung immer wieder auf.“ Dickdarmentfernung bei Colitis ulcerosa „Greifen die Medikamente nicht mehr, kann es bei Colitis ulcerosa zu Perforationen in der Dickdarmwand kommen. Dann müssen wir den Dickdarm notfallmäßig operieren“, so Staib. „Dabei geht es nicht um eine limitierte Resektion des Dünndarms wie bei Morbus Crohn, sondern fast immer um eine komplette Dickdarmentfernung, einer sogenannten Kolektomie. Denn Colitis ulcerosa erfasst den ganzen Dickdarm. Die Operation kann mit oder ohne Stoma erfolgen“, erklärt der Viszeralchirurg, und führt im Detail aus: „Ist der Enddarm nicht befallen, können wir ihn erhalten. Dann müssen wir, nach Entfernen des Dickdarms, den Dünndarm an den Enddarm anschließen.“ Ist auch der Enddarm befallen, müssen die Chirurginnen und Chirurgen meist den ganzen Schließmuskelapparat mitentfernen. Das kann auch Menschen mit Morbus Crohn betreffen. Dann bleibt nur die Möglichkeit, ein lebenslanges, endständiges Stoma zu legen. Dies ist ein künstlicher Darmausgang, der durch die Bauchdecke geleitet wird. „Anfangs empfinden viele Betroffene das Stoma als erhebliche psychische Belastung, doch mit der richtigen Schulung und Ernährungsberatung lernen sie, gut damit zu leben“, erklärt Professor Staib. „Manche berichten, dass sie nach einer langen Leidenszeit mit Schmerzen und Durchfällen durch das Stoma wieder mehr Lebensqualität gewinnen.“ Ernährung und Lebensstil „Es gibt keine spezielle Crohn- oder Colitis-Diät“, stellt Dr. Wolfgang Vogt klar. „Viele Patientinnen und Patienten haben jedoch zusätzliche Unverträglichkeiten wie Fruktosemalabsorption oder Laktoseintoleranz.“ Bei einem akuten Schub ist es ratsam, schwer verdauliche Nahrungsmittel zu meiden. Auch Stress kann eine Rolle spielen: „Die Psyche löst CED nicht aus, kann aber den Verlauf beeinflussen“, betont Dr. Wolfgang Vogt. „Ganz klar belegt ist, dass Rauchen den Verlauf von Morbus Crohn verschlechtert“, ergänzt Professor Ludger Staib. „Übermäßiger Alkoholkonsum und fettreiche Nahrung sollten ebenfalls vermieden werden.“ Familiäre Vorbelastung „Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind keine Erbkrankheiten, aber es gibt eine genetische Prädisposition“, so Dr. Vogt. Das heißt: Wenn in der Familie bereits Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa aufgetreten ist, ist bei Beschwerden eine frühe endoskopische Untersuchung ratsam, um den Verlauf früh positiv beeinflussen zu können. Hilfe in Anspruch nehmen „Bestätigt sich die Diagnose, sollten sich Betroffene nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen“, ergänzt Professor Ludger Staib. „Selbsthilfegruppen wie CrohCo (www.crohco.de) leisten wertvolle Unterstützung, und spezialisierte Zentren wie das Klinikum Esslingen bieten eine umfassende Betreuung.“ Das Darmzentrum in der Viszeralchirurgie am Klinikum Esslingen ist für die Behandlung onkologischer Erkrankungen zertifiziert und verfügt über eine große Expertise in der Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. ast Kontakt Klinikum Esslingen Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie Darmzentrum Prof. Dr. Ludger Staib Chefarzt Telefon 0711 3103-2602 MVZ Gastroenterologie Dr. Wolfgang Vogt Telefon 0711 3103-2463 gastroenterologie@mvz-ke.de Enddarmsprechstunde Im Darmzentrum gibt es eine Enddarmsprechstunde mit Professor Dr. Ludger Staib: Montag 11.00 – 12.30 Uhr Donnerstag 16.00 – 18.00 Uhr Anmeldung über das Sekretariat der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie: Telefon 0711 3103-2601 oder darmzentrum@klinikum-esslingen.de „ Lange dachte man, dass bei Morbus Crohn auch psychische Aspekte eine Rolle spielen. Es ist aber eher so, dass die chronischen Schmerzen und Durchfälle die Psyche sehr belasten.”
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