32 Esslinger Gesundheitsmagazin 1 | 2025 Morbus Crohn oder Blinddarmentzündung? Morbus Crohn tritt vor allem bei Menschen unter 30 Jahren und über 50 bis 70 Jahren auf. Bei vielen wird die Erkrankung eher zufällig erkannt – oft im Rahmen einer Blinddarmoperation. „Es kommt nicht selten vor, dass wir Patientinnen oder Patienten mit starken Schmerzen im rechten Unterbauch operieren, weil der Verdacht auf eine Blinddarmentzündung besteht. Erst während des Eingriffs wird dann Morbus Crohn festgestellt“, erklärt Professor Staib. „Diese Erkrankung spielt sich in einer Region des Darms ab, die direkt neben dem Blinddarm liegt – dem terminalen Ileum, also dem Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm.“ Engstellen und Durchbrüche im Darm Bei Morbus Crohn treten häufig mehrere Entzündungen im Darm gleichzeitig auf und können zu Engstellen (Stenosen) oder zu Löchern in der Darmwand (Perforationen) führen. Im schlimmsten Fall können diese einen Darmverschluss verursachen. Ein weiteres Problem bei Morbus Crohn sind Fisteln – röhrenartige Verbindungen zwischen Darm und Bauchraum. „In manchen Fällen bildet sich eine Verbindung zwischen zwei Darmschlingen, wodurch Stuhl von einer Schlinge in die andere übertritt. Das führt zu starken Entzündungsreaktionen“, so Staib. „Liegt eine Darm-BauchwandFistel vor, kann Stuhlgang in die Bauchhöhle gelangen, was einen Abszess verursacht. Das ist eine typische Komplikation von Morbus Crohn.“ In letzterem Fall legen die Ärztinnen oder Ärzte zunächst eine Drainage, und nur wenn dies nicht genügt, ist eine Darmoperation unumgänglich. „Im Enddarm kann es auch zu Analfisteln kommen. Oft treten auch mehrere Fisteln auf und bilden fuchsbauartige Kanäle“, ergänzt Professor Staib. Darm-OP bei Morbus Crohn Etwa 80 Prozent der Morbus-Crohn-Betroffenen müssen sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal einer Operation unterziehen – 50 Prozent bereits innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Diagnose. Anders als bei Darmkrebs wird dann nur der betroffene Darmabschnitt entfernt, die Lymphknoten bleiben erhalten. Diese sogenannte „limitierte Resektion“ kann mit oder ohne künstlichen Darmausgang (Stoma) durchgeführt werden. Nur in schweren Fällen wird ein Stoma angelegt. Psychische Belastung „Lange dachte man, dass bei Morbus Crohn auch psychische Aspekte eine Rolle spielen. Es ist aber eher so, dass die chronischen Schmerzen und Durchfälle die Psyche sehr belasten. Manche Patientinnen und Patienten nehmen extrem ab und fühlen sich schwach“, so Professor Ludger Staib. „Dazu kommt, dass sie ein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben. Wenn die Erkrankung überwiegend im Dünndarm auftritt, prüfen wir auch den Dickdarm, denn auch dieser wird durch die fortlaufenden Entzündungen in Mitleidenschaft gezogen.“ Colitis ulcerosa Im Gegensatz zu Morbus Crohn handelt es sich bei Colitis ulcerosa um eine auf den Dickdarm begrenzte Erkrankung. Ein typisches Symptom sind blutige Durchfälle. „Es gibt Patienten, die müssen nachts bis zu 25-mal zur Toilette“, erklärt Professor Ludger Staib. „Das ist eine enorme Belastung. Zudem haben Betroffene ein etwas erhöhtes Darmkrebsrisiko. Daher sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen sehr wichtig.“ Genau wie Morbus Crohn verläuft auch Colitis ulcerosa in Schüben. Beide Erkrankungen können jahrelang ruhig verlaufen und dann plötzlich spontan auftreten. „Bei beiden Erkrankungen versuchen wir immer zuerst, die Entzündung mit Medikamenten zu behandeln, bevor wir eine Operation in Erwägung ziehen“, erklärt Darmexperte Professor Ludger Staib. „Die >>> Morbus Crohn (links) tritt an der Darmwand des Dünndarms und des Dickdarms auf. Colitis ulcerosa (rechts) betrifft in erster Linie den Dickdarm.
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