1 | 2025 Esslinger Gesundheitsmagazin 19 Volkskrankheit Nummer Eins „Oft merken Patienten selbst gar nicht, dass sie einen dauerhaft erhöhten Blutdruck haben, da er sich schleichend entwickelt“, sagt Dr. Michael Augsten, hausärztlicher Internist in Ruit. In seiner Gemeinschaftspraxis behandelt er viele Patientinnen und Patienten, die an der am häufigsten verbreiteten Volkskrankheit in Deutschland leiden. Bis etwa zum 60. Lebensjahr sind häufiger Männer als Frauen betroffen, danach sind es mehr Frauen als Männer, die unter Bluthochdruck leiden. Was ist Bluthochdruck? Blutdruck ist der Druck, den das Blut bei jedem Herzschlag auf die Gefäße ausübt. So wird das Blut aus dem Herzen in die Gefäße gepumpt. Der Blutdruck wird in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) gemessen – optimal ist ein Blutdruck von 120/80 mmHg. Der erste Wert in der Blutdruckmessung bezeichnet den systolischen Blutdruck, der entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Körper pumpt. Der zweite Wert steht für den diastolischen Blutdruck, der entsteht, wenn das Herz erschlafft und der Druck in den Gefäßen nachlässt. Bei Patienten mit Hypertonie sind meist beide Werte erhöht, so dass der Blutdruck in Ruhe dauerhaft über den Grenzwerten liegt. Dieser permanent starke Druck wird an die Arterien weitergegeben. „Durch den hohen Druck und damit verbundenen Scherkräften in den Blutgefäßen entstehen Verletzungen in den Blutgefäßen, die zu schweren akuten und chronischen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems führen können“, sagt Professor Tillman Dahme, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am Klinikum Esslingen. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung der Hypertonie ist daher sehr wichtig. Symptome ernst nehmen Klassische Symptome bei Bluthochdruck sind: Schwindelgefühl, Übelkeit, Luftnot, ein Beklemmungsgefühl oder Druck in der Brust, Schlafstörungen, Müdigkeit, Ohrensausen oder auch Nasenbluten. Da diese Symptome nicht eindeutig sind, besteht immer das Risiko, dass Patientinnen und Patienten die Beschwerden nicht richtig deuten und der Bluthochdruck nicht oder spät erkannt wird. Dann muss die Dosierung der Medikation oft schon relativ hoch angesetzt werden. „Prävention ist bei diesem Thema deshalb besonders wichtig. Das Blutdruckmessen bei allen Check-ups und Vorsorgeuntersuchungen ist auch bei jüngeren Menschen obligatorisch“, sagt Dr. Augsten. „Dabei stellen wir oft einen erhöhten Blutdruck fest, auch wenn die Betroffenen noch keine Symptome spüren.“ Primäre und sekundäre Hypertonie Rund zehn Prozent der Erkrankten haben eine Grunderkrankung, die zu erhöhtem Blutdruck führt – die sekundäre Hypertonie. Chronische Entzündungen, meist gutartige Tumoren der Nebenniere, Nierenerkrankungen, hormonelle Störungen oder das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom (kurzfristige Aussetzer der Atmung im Schlaf) sind Beispiele für Grunderkrankungen, die den Blutdruck steigen lassen. Wenn die Ursache erfolgreich behandelt wird, normalisiert sich meist auch der Blutdruck wieder. Die meisten Erkrankten haben keine organische Ursache für den Bluthochdruck, hier spricht man von primärer Hypertonie. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und oft ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren. Gefährliche Folgeerkrankungen „Wird der primäre Bluthochdruck nicht rechtzeitig behandelt, kann das sehr schwere und akute Erkrankungen zur Folge haben, wie zum Beispiel Schlaganfall, Herzinfarkt oder eine Herzmuskelschwäche. Auch eine Nierenschwäche bis hin zum Nierenversagen können auftreten“, erklärt Professor Tillman Dahme. Diese Patientinnen und Patienten müssen zwangsläufig in einer Klinik behandelt werden und können auch nach der akuten Phase stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sein. Behandlung mit Medikamenten „Unser größtes Ziel ist es deshalb, diese schweren Erkrankungen mit einer passenden Therapie zu verhindern“, sagt Dr. Michael Augsten. „Wir können dabei auf eine Vielzahl an Medikamenten zurückgreifen und so individuell für jede Patientin und jeden Patienten die passende Therapie finden.“ Bei der Behandlung kommen Medikamente unterschiedlicher Wirkstoffgruppen und unterschiedlicher Wirkmechanismen zum Einsatz, wie zum Beispiel ACE-Hemmer, Sartane, Kalziumantagonisten oder Diuretika. Früher wurden auch häufig Beta-Blocker zur Blutdrucksenkung eingesetzt, jetzt kommen diese hauptsächlich bei Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten zum Einsatz. Je nach Ausprägung der Hypertonie greifen Medizinerinnen und Mediziner auf eine Mono- oder Kombinationstherapie zurück – ein oder mehrere Medikamente in Kombination. Blutdruck-Grenzwerte Grenzwerte bei der Blutdruckmessung, die eine Behandlung erforderlich machen: › 140 / 90 mmHg in der Praxis › 135 / 85 mmHg zu Hause › 130 / 80 mmHg als Mittelwert bei der 24-Stunden-Messung Dr. Michael Augsten Prof. Dr. Tillman Dahme >>> „ Wird der primäre Bluthochdruck nicht rechtzeitig behandelt, kann das sehr schwere und akute Erkrankungen zur Folge haben.”
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