Ausgabe 1 >2025

1 | 2025 Esslinger Gesundheitsmagazin 15 Dr. Saskia Matias y Papenberg „Kann es sein, dass ich Endometriose habe?“ Diese Frage hört Dr. Saskia Matias y Papenberg, niedergelassene Gynäkologin in Esslingen inzwischen häufig in ihrer Praxis. „Die Patientinnen sind heute viel besser informiert über die Krankheit als noch vor wenigen Jahren“, sagt sie, „das macht die Beratung oft einfacher.“ Dennoch werden noch immer viele Endometriose-Erkrankungen nicht diagnostiziert. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 8 bis15 Prozent aller Mädchen und Frauen weltweit von Endometriose betroffen sind – das sind in Deutschland circa zwei Millionen Frauen. Jährlich kommen rund 40.000 Neuerkrankungen in Deutschland hinzu. Was ist Endometriose? „Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut stark ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Es siedelt sich zum Beispiel an den Eierstöcken, im Bauch- und Beckenraum, am Darm oder Bauchfell an“, so erklärt Dr. Karin Pethke, Oberärztin und Leiterin des Endometriose-Zentrums am Klinikum Esslingen, ihren Patientinnen die Erkrankung. Das EndometrioseGewebe kann prinzipiell an jeder Stelle des Bauchraums wachsen, in wenigen Fällen auch außerhalb, zum Beispiel in der Lunge. Diese sogenannten Endometriose-Herde bauen abhängig vom Hormonspiegel die Schleimhaut auf und stoßen sie zyklisch wieder ab – ähnlich dem Prozess in der Gebärmutter. Dadurch können sehr unterschiedliche Beschwerden, unter anderem starke Schmerzen auftreten. Vielfältige Schmerzen Die starken Schmerzen, das Symptom, unter dem die meisten Frauen mit Endometriose leiden, können sehr unterschiedlich in ihrer Ausprägung sein. Die Schmerzen treten insbesondere im Bauchraum, beim Wasserlassen, beim Stuhlgang oder beim Geschlechtsverkehr auf. Aber auch für Schmerzen im Schulterbereich oder im unteren Rücken kann Endometriose der Auslöser sein. „Oftmals sind die Schmerzen zyklusabhängig. Das hängt mit der Hormon-Stimulation der Endometriose-Herde zusammen“, sagt Dr. Karin Pethke. „Es gibt aber auch Frauen, die ausgedehnte Endometriose-Herde haben und keine Schmerzen. Die Beschwerden sind also nicht unbedingt von der Ausdehnung der Läsionen abhängig, warum das so ist, weiß man nicht.“ Diese Unterschiedlichkeit und Varianz der Schmerzen beobachtet auch Ivonne van der Lee, Gründerin der Selbsthilfegruppe „Endo-Ladies“. „Teilweise ist der Alltag für die Frauen schwer bewältigbar, denn verschreibungsfreie Schmerzmittel in normaler Dosierung reichen oft nicht mehr aus, um die Schmerzen zu lindern.“ Langer Weg der Diagnostik Die Herausforderung bei der Diagnosestellung besteht einerseits darin, dass verschiedene Erkrankungen Schmerzen im Bauchraum verursachen können, und andererseits darin, dass die Symptome der Endometriose vielfältig und oft schwer zu fassen sind. Nach der ausführlichen Anamnese der Patientinnen schließt sich eine gründliche Untersuchung an, auch per Ultraschall. Oberflächliche Herde auf dem Bauchfell sind im Ultraschall meistens nicht sichtbar. Tief ins Gewebe eingedrungene Endometriose-Herde, Zysten am Eierstock – auch Schokoladenzysten genannt – sowie Endometriose-Herde in der Gebärmutterwand sind jedoch in der Regel sehr gut mittels Ultraschall darstellbar. „Eine gesicherte Diagnose gibt es letztendlich nur über die Untersuchung einer Gewebeprobe, die bei einer Bauchspiegelung im Krankenhaus entnommen wird“, sagt Dr. Matias y Papenberg. „Deshalb kann ich als niedergelassene Ärztin zunächst nur den Verdacht auf eine Endometriose feststellen.“ Eine Therapie, die den Patientinnen hilft und die Symptome lindert oder verhindert, kann aber dennoch begonnen werden – der Verdachtsfall reicht aus. Speicheltest für Selbstzahler Seit wenigen Jahren gibt es einen Speicheltest, mit dem festgestellt werden kann, ob eine Endometriose vorliegt. In Deutschland ist dieser Test noch keine Kassenleistung und der Preis pro Test liegt bei bis zu 800 Euro. „Der Test könnte bei Frauen, die schon einen langen Leidensweg hinter sich haben, eine Ergänzung bei der Diagnosestellung werden. Insbesondere psychologisch kann es helfen, wenn man gesichert weiß, mit was man es zu tun hat“, glaubt Ivonne van der Lee. Professor Dr. Alexander Hein, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, und und sein Team setzen den Test aktuell nicht ein: „Für die erfolgreiche Behandlung der Erkrankung ist es für uns nicht entscheidend, ob eine gesicherte Diagnose vorliegt. Dr. Karin Pethke Prof. Dr. Alexander Hein >>> „ Für die erfolgreiche Behandlung der Erkrankung ist es für uns nicht entscheidend, ob eine gesicherte Diagnose vorliegt.”

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