Ausgabe 1 >2019

1 2019 Esslinger Gesundheitsmagazin 27 Neues Design Auffälligster sichtbarer Unterschied des neuen Systems zu allen bisherigen Linear- beschleunigern ist das Design. Der um den Patienten rotierende Bestrahlungskopf ist komplett verkleidet. Das System sieht aus wie ein Computertomograf, ist allerdings mit einer 100 Zentimeter messenden Öff- nung deutlich größer als bei einemCT üblich. Ein weiterer Unterschied zum bisherigen Linearbeschleuniger ist, dass das neue Varian-Gerät mit einer Röntgenenergie von 6MV auskommt. „Damit können wir 98 Pro- zent unserer Patienten bestrahlen. Lediglich in ganz speziellen Fällen müssen wir auf die höhere Energie des bisherigen Linearbe- schleunigers zurückgreifen“, sagt Dr. Bottke. So bleibt der bisherige Beschleuniger auch weiterhin im Einsatz – allerdings nicht im Parallelbetrieb mit dem neuen Gerät. 2018 wurden imMVZ Strahlentherapie und Radioonkologie rund 900 Patienten behan- delt – eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren. Allerdings gehen die Strah- lentherapeuten am Klinikum Esslingen kon- sequent mit demmedizinischen Fortschritt und berücksichtigen neueste medizinische Erkenntnisse. So entwickelt sich bei ver- schiedenen Krebserkrankungen derzeit ein Trend hin zu weniger Bestrahlungen. Bei Brustkrebs beispielsweise wurde der Bestrahlungszeitraum inzwischen auch nach den aktuellen medizinischen Leitlinien von sechs auf drei Wochen reduziert. „Für die betroffenen Frauen ist das eine erheb- liche Entlastung.“ Etwa ein Viertel der Behandlungen entfällt auf die Bestrahlung bei Frauen mit Brust- krebs. Ebenfalls ein Viertel der Strahlenpa- tienten leiden an einer anderen Krebser- krankung wie Prostata- oder Lungenkrebs oder Tumoren des Magen-Darm-Traktes. Ebenfalls ein Viertel machen palliative Bestrahlungen von Knochen- und Hirnme- tastasen bei Krebspatienten aus. Gutartige Erkrankungen wie Arthrosen oder Fersen- sporn, bei den die Bestrahlung die Entzün- dungen positiv beeinflusst, entfallen schließlich auf das letzte Viertel der Behandlungen. Intensive Nachsorge Dank der hochmodernen Technik gibt es praktisch keine schweren Spätfolgen der Strahlentherapie mehr. Denn die höchst- möglich noch verträgliche Strahlenbelas- tung kann nicht nur exakt berechnet wer- den, die neuen Linearbeschleuniger halten sie auch hochpräzise ein. Dennoch ist die strahlentherapeutische Nachsorge am Ess- lingen Klinikum nach etwa sechs bis acht Wochen selbstverständlich. Dabei wird geprüft, ob sich eventuelle Nebenwirkun- gen zurückgebildet haben. Danach stellen sich die Patienten einmal jährlich im MVZ zur Kontrolle des Therapieerfolges und zur Qualitätssicherung vor. so Das Halcyon-System in Esslingen ist das Erste in Süddeutschland. Derzeit wird das Gerät im Strahlenbunker von Technikern eingestellt und vonMedizinphysik-Experten für den Betrieb vorbereitet, ab Ende März können die ersten Patienten mit dem neuen System bestrahlt werden. Dabei erweist es sich als Vorteil, dass bereits vor zehn Jah- ren ein zweiter Strahlenbunker gebaut wor- den war. So kann der neue Linearbeschleu- niger in Ruhe installiert werden, während die Patienten ohne Unterbrechung mit dem bisherigen Linearbeschleuniger behandelt werden. Bestrahlung in 30 Sekunden Und was kann der neue Linearbeschleuni- ger nun besser? „Auch das Halcyon-System erlaubt intensitätsmodulierte Strahlenthe- rapie. Das neue Gerät aber ist vor allem deutlich schneller, was eine ganze Reihe von Vorteilen bietet“, erläutert Dr. Bottke. Bislang dauert eine Bestrahlung etwa ein bis zwei Minuten. Mit dem neuen Gerät ist die Bestrahlung in 15 bis 30 Sekunden erle- digt. Ungenauigkeiten durch Patientenbe- wegungen können damit verringert werden, ebenso wie Bewegungen des Tumors zum Beispiel durch die Atmung. In kritischen Fällen kann der Patient einfach kurz den Atem anhalten: 15 Sekunden schaffen die meisten, eine Minute eher nicht. Auch bei der Kontrolle der Tumorlage vor der Bestrahlung bietet das neue Gerät ent- scheidende Vorteile. Das Kontrollbild und der Abgleich mit der Bildvorlage aus dem Planungs-CT ist in 17 Sekunden erledigt. Deshalb wird vor jeder Bestrahlung eine Kontrolle durchgeführt, anders als bei den bisherigen Geräten, bei denen diese Kont- rollen im Verlauf der üblichen 20 bis 40 Bestrahlungen in der Regel nicht täglich eingesetzt wurden. Beim Halcyon-System dagegen kann die Bestrahlung erst ausge- löst werden, wenn die Kontrollaufnahme gemacht wurde. „Zudem rechnet das Sys- tem die Strahlendosis der Röntgenauf- nahme automatisch in die Gesamt-Strah- lendosis mit ein.“ Klinikum Esslingen MVZ Strahlentherapie und Radioonkologie Ärztlicher Leiter PD Dr. Dirk Bottke Telefon 0711 31033321 d.bottke@mvz-ke.de Kontakt PD Dr. Dirk Bottke „Das neue Gerät ist vor allem deutlich schneller, was eine ganze Reihe von Vorteilen bietet.“

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